Test: Gauntlet

Hört man heute im Zusammenhang mit Videospielen von Remakes, denkt man häufig an New-Gen-Verwurstungen von Last-Gen-Hits. Gauntlet zeigt uns den wahren Sinn eines Remakes. Ein Arcade-Spiel von 1985 kommt fast 30 Jahre später in neuem Gewand auf den Markt und mit Next-Gen hat das Ganze auch nichts zu tun, denn das Spiel erschien bis jetzt nur auf Steam. Wir haben Gauntlet für euch getestet, um zu sehen, ob der Sprung in die Neuzeit gut gemeistert wurde.

Gauntlet-Test1
Wie früher: Erstmal Münze einwerfen.

Vier Helden, ein Ziel

Die vier Helden Thor der Krieger, Thyra die Walküre, Questor der Elfenschütze und Merlin der Zauberer haben sich auf dem Weg zum Gauntlet gemacht, um die dortigen Schätze zu plündern. Am Eingang werfen sie eine Münze ein, woraufhin alle in Ohnmacht fallen und sich unter ihnen eine Plattform in Bewegung setzt. Es folgt ein Tutorial, in dem ihr die Vorzüge der einzelnen Klassen kennenlernt. Während sich der Aufzug nach unten in den Gauntlet bewegt, wachen die Protagonisten einer nach dem anderen auf, und müssen jeweils Zombiewellen mit den vorgegebenen Attacken abwehren. Habt ihr dies mit allen geschafft, landet ihr erstmal im Menü.

Dort könnt ihr euch dann endlich alleine oder mit bis zu drei Mitspielern in das reguläre Abenteuer stürzen. Das funktioniert nach wie vor direkt an einem PC oder über Steam. Dort könnt ihr Freunde in eure Lobby einladen, oder ein öffentliches Spiel starten. Ihr habt die Wahl aus den vier besagten Klassen, wobei im Koop keine Klasse doppelt gewählt werden kann. Es sollte jedoch kein Problem sein euch zu einigen, im Zweifel gewinnt eben der Schnellere.

Die Klassen steuern sich alle recht ähnlich. Spielt ihr mit Maus und Tastatur, bestimmt ihr mit der Maus die Schlag-, beziehungsweise Schießrichtung, und mit WASD die Laufrichtung. Attackiert wird mit den Mausbuttons, Leertaste und Shift, und mit F interagiert ihr mit der Umwelt. Mit Q und E könnt ihr außerdem Relikte einsetzten, die ihr im späteren Spielverlauf mit eurem gesammelten Gold kauft. Ändern lässt sich diese Tastenbelegung übrigens nicht, jedoch ist sie größtenteils durchaus sinnvoll gewählt. Wohlgemerkt größtenteils, denn für die Emotes auf die Pfeiltasten zu legen war keine gute Idee. Da wären die Nummerntasten 1-4 beispielsweise leichter erreichbar gewesen. Wenn ihr drei Hände, gelenkige Beine oder eine treffsichere Nase habt, dürftet ihr damit aber kein Problem haben. Ansonsten solltet ihr zumindest im Multiplayer doch eher zum Controller greifen.

Gauntlet-Test
Wenn hinter einem Tor ein Schlüssel ist, solltet ihr es als erstes öffnen

Magische Vision

Dank dem Tutorial habe ich übrigens auch endlich verstanden, wie man mit der Zauberer-Klasse umzugehen hat. Natürlich haben sich die Arrowhead Studios beim hauseigenen Magicka bedient. Merlin hat im Grund die drei Magie-Arten Feuer, Eis und Blitz, die jeweils auf den Angriffstasten liegen. Zwei davon lassen sich immer kombinieren, wodurch der Gute also insgesamt auf 6 Zaubersprüche kommt. Wirken lässt sich dieser dann mit dem linken Mausbutton, beziehungsweise mit X auf dem Controller. Da hätte ich eigentlich auch früher drauf kommen können. Zwar ist der Magier damit die vielfältigste, aber eben auch die komplexeste Klasse, und obendrein auch am langsamsten. Der alte Mann kann eben nicht so schnell.

Wer einen agilen Fernkämpfer ohne komplizierte Kombos bevorzugt, sollte sich wohl doch eher für den Bogenschützen entscheiden. Haudraufs sind mit dem Krieger bedient, und wer sich nicht so recht entscheiden kann, nimmt die Walküre. Die holde Dame kann nämlich auch mit ihrem Schild werfen. Somit ist für jeden Spielstil der richtige Charakter dabei. Wie gesagt nützen euch diese Tipps aber herzlich wenig, wenn ihr keine wirkliche Entscheidung habt, weil eure Kumpanen schneller waren und nicht kompromissbereit sind. Passt also auf, dass ihr euch nicht schon in die Haare kriegt, bevor ihr überhaupt in die Tiefen des Gauntlet vorgedrungen seid.

Gauntlet-Test
Wer den Magier beherrscht, bezwingt sogar die größten Bosse

Gemeinsam gegeneinander

Wer jetzt denkt, dass nach dem Klassenkampf endlich Zusammenarbeit gefragt ist, der irrt sich gewaltig. So richtig gemeinsam spielt man im Gauntlet nie. Eigentlich ist das Einzige, was man gemeinsam macht, Feinde töten und selbst das gleicht eher einem Wettkampf. Am Ende geht es neben der Zeit nämlich auch darum, wer mehr Kills gemacht und mehr Gold gesammelt hat. Hinzu kommen einige unvorteilhafte Gameplaymechaniken, die aber durchaus ihren Charme haben. Beispielsweise muss euer Held zum Heilen Nahrung zu sich nehmen, die in regelmäßigen Abstände im Gauntlet platziert ist. Das Essen geschieht aber nicht etwa per Knopfdruck, sondern durch Berührung. Es passiert nicht selten, dass ihr euren Mitstreitern den Braten vor der Nase wegmampft, obwohl diese ihn viel nötiger haben. Ebenso lässt sich Essen mit einem einzigen Treffer zerstören.

Ebenso chaotisch kann es werden, wenn es um Schlüssel und Tore geht. Die Schlüssel werden nicht für die Gruppe eingesammelt, sondern nur vom jeweiligen Spieler. Berührt ein Spieler mit Schlüssel ein Tor, geht dieses auf, und ein Schlüssel wird verbraucht. Leider benötigt es aber manchmal ein wenig Koordination, wenn es um die richtige Reihenfolge geht. Das gleiche betrifft TNT-Fässer und brüchige Wände. Mit einem Hieb wird ein Fass gezündet, was zu einer Kettenreaktion führen kann. Sind alle Fässer explodiert, kann es sein, dass der Geheimraum für immer versiegelt bleibt. Wie ihr seht, kann im Eifer des Gefechts so Einiges schiefgehen. Streit ist bei Gauntlet vorprogrammiert, was aber sehr gut zu dem Setting mit den vier egoistischen Schatzjägern passt. Ein Element, das das noch verstärkt, sind die Kronen, die ihr manchmal von Gegnern erhaltet. Diese fliegen dem Spieler, der sie trägt, bei jedem Treffer vom Kopf. Wer ein Level mit einer Krone beendet, bekommt allerdings einen dicken Goldbonus. Also schnell hinterher, bevor sie sich auflöst, um die Horde Untote sollen sich doch die anderen kümmern.

Gauntlet-Test
Wie man sieht darf im Gauntlet ruhig gestorben werden.

Was euch umbringt, macht euch härter

Sollten eure Mitstreiter sterben, ist das zunächst nicht allzu schlimm. Solange ihr Münzen habt, können sich die Spieler wiederbeleben. Ihr bekommt immer eine Münze, wenn ihr eine bestimmte Anzahl von Feinden erledigt habt. Wie viele das noch sind, verrät euch eine Leiste oben rechts. Ist diese voll, gibt es eine Münze und der Zähler startet wieder von vorne. Diese Mechanik ist wieder eine Anspielung auf den Klassiker. In den Arcade-Automaten musste man aber noch echtes Geld einwerfen, um sich wiederzubeleben. Gauntlet war also gewissermaßen die Mutter des Pay-2-Win. Nach wie vor ist es allerdings auch so, dass Scheitern erlaubt ist, und manchmal sogar von Vorteil. Stirbt euer Held öfters an bestimmten Fallen, machen diese nach einer Zeit weniger Schaden. Schießt ihr regelmäßig Essen ab, heilt euch auch das Zerstören von Essen ein wenig. Es lohnt sich manchmal also schon fast die Nahrung absichtlich zu zerstören, was sich aber gerade mit Nahkämpfern als schwierig erweist.

Wenn ihr unsere Preview gelesen habt, stellt sich euch sicher die Frage nach den blauen Tränken. Irrtümlicherweise habe ich diese damals als Heiltränke fehlinterpretiert, eben weil sie am Anfang keinen Nutzen haben, und es in der Preview-Version kein Tutorial gab. Habt ihr ordentlich Gold gescheffelt, könnt ihr euch am Portal neben Ausrüstung auch Relikte kaufen, und diese benötigen jeweils einen blauen Trank um sie zu wirken.

Gauntlet-Test
Die Relikte im Shop

Aller guten Dinge sind drei

Neben dem allgemeinen Sammeln von Gold und dem Erledigen von Gegnerwellen und Bossen gibt es auch noch ein Hauptziel. Das neue Gauntlet ist im Gegensatz zum Original nicht mehr unendlich, sondern tatsächlich durchspielbar, wenn auch mit hohem Wiederspielwert. Der Magier Morak ist im Prinzip euer virtueller Dungeonmaster und verantwortlich für die Monster und Fallen, und kommentiert euer Scheitern immer wieder mit einer Prise Sarkasmus. Er lässt euch aus dem Gauntlet entkommen, wenn ihr ihm drei Teile eines alten Schwertes namens Tyrfing bringt. Natürlich macht er das alles nicht ohne Hintergedanken. Erstens lässt er euch Blut schwitzen, um sich selbst zu unterhalten, und zweitens ist er selbst im Gauntlet gefangen und benötigt die Macht des Schwertes um zu entkommen. Man merkt schon, dass die Story hier doch eher Mittel zum Zweck ist, so richtig störend ist das jedoch nicht.

Die Bruchstücke sind jeweils in einem eigenen Abschnitt versteckt, der aus vier Dungeons mit drei Ebenen besteht. Diese drei Ebenen müssen an einem Stück geschafft werden, um den nächsten Dungeon zu öffnen. Ihr solltet also auf jeden Fall die nötige Zeit mitbringen. Im ersten Abschnitt seid ihr in einer ägyptisch angehauchten Krypta. Hier besteht die erste Ebene aus Gegnerhorden und Beschwörungstürmen, in der zweiten Ebene müsst ihr in einem zufallsgenerierten Dungeon vor dem Tod persönlich fliehen. Besiegen könnt ihr den nämlich nicht, er euch dafür umso leichter. In der dritten Ebene geht es wieder um Beschwörungstürme, diesmal allerdings in einem großen Raum und mit Showdown-Charakter. Der zweite Abschnitt verschlägt euch in dunkle Höhlen mit Spinnen und Gnomen. Neben den neuen Gegnern gibt es auch einige neue Spielelemente. Welche das sind, und was im letzten Abschnitt auf euch wartet, findet ihr dann aber doch besser selber heraus.

Gauntlet-Test
Dem Tod ein Schnippchen schlagen
Spaßiger Koop-Modus
Hart aber fair
Leichtes Arcade-Feeling
Interessante Gameplay-Ideen
Streckenweise leicht repetitiv
Tastaturbelegung vordefiniert

Manuel H.

Gauntlet hat alle Erwartungen aus der Preview-Version erfüllt: Zu meckern gibt es kaum etwas! Die Schwierigkeitsgrade sind fordernd, der Koop-Modus heimtückisch und dennoch spaßig. Wer auf Hack’n’Slays und wilde Koop-Action steht, ist hier im wahrsten Sinne des Wortes goldrichtig. Da sieht man auch gerne über die maue Story und ungünstige Tastaturbelegung hinweg. Erwähnte ich bereits, dass der Suchtfaktor des Spiels recht hoch ist? Ihr werdet mich also noch eine Weile im Gauntlet antreffen!
Test: Alien - Isolation Test: Super Smash Bros. 3DS
Comments